Rede zur vierten Stolpersteinlegung: 27. März 2014

 

 

"Meine sehr geehrten Damen und Herren,

 

der Historiker Reinhard Bein stellt 2004 in seinem Buch "Ewiges Haus", ein Buch über  jüdischen Friedhöfe im Braunschweiger Land, unter der Überschrift "Der Umgang mit dem jüdischen Erbe" zu Stadtoldendorf Folgendes fest: ich zitiere wörtlich:

"Der Besucher Stadtoldendorfs erfährt bis heute nicht, ob sich die Stadt schämt, weil sie ihren Aufstieg ihren tüchtigen jüdischen Unternehmern verdankt oder weil sie in der NS-Zeit diese Menschen so skrupellos ausgeplündert und verjagt hat. Im Rathaus kann man auf einer großen Schautafel die Ortsgeschichte nachlesen und sich erstaunt die Augen reiben: 1865 wurde die Eisenbahnlinie Kreiensen - Holzminden mit Bahnhöfen in Vorwohle, Lenne, Stadtoldendorf und Arholzen eröffnet. Sie erlaubte den Aufschwung der Gips-, Sandstein- und Textilindustrie sowie des Handels, zumal im 19. Jahrhundert das Straßenetz erheblich verbessert und erweitert wurde. Das 20. Jahrhundert brachte zwei Weltkriege mit erneutem Elend und wirtschaftlichem Niedergang.

Dass die Firma Rothschild das bitterarme Landstädtchen in ein blühendes Gemeinwesen verwandelte, die Hälfte der Erwerbstätigen des Ortes beschäftigte und darüber hinaus indirekt auch zahlreichen Kaufleuten, Beamten und Angestellten ein gutes Auskommen sicherte, würdigt die Stadt mit keinem Wort. Im Gegenteil: Wenn man dieser Darstellung glauben soll, verdankt die Stadt ihrem Aufstieg allein dem braunschweigischen Staat und dessen Infrastrukturmaßnahmen. Nicht einmal eine Straße wurde nach Ephraim Rothschild und Max Levy benannt, dafür aber nach Wilhelm Busch und Hermann Löns, unter den deutschen Dichtern zweifellos nicht die bedeutendsten.

Nur am Charlottenstift (einem Neubau) weist noch eine Erinnerungstafel auf den ursprünglichen Stifter hin. Das rothschildsche und andere Gipswerke sind heute Teil eines Großunternehmens. Die Weberei hat der Arisierer Kübler in die Pleite geführt, die imposante Fabrikanlage wird anderweitig genutzt und verrottet allmählich. Das Heimatmuseum stellt das aus, was ein Heimatmuseum üblicherweise ausstellt: Alltagsgegenstände. Nur der jüdische Friedhof, den die Stadt pflegt, erinnert noch an dieses bedeutsame Kapitel der Stadt."

Soweit Reinhard Bein.

 

Frage, mit der Bitte um Handzeichen: wer von Ihnen hat schon einmal den hiesigen jüdischen Friedhof besucht?

Wer ihn kennt, wird sicher bestätigen können: ein ganz bemerkenswerter Ort mit ganz besonderem Reiz: ein Dreieck als Grundform, eine Allee aus uralten Bäumen beschützt den Ein- oder Ausgang, eine Ebene erhöht dann das Gräberfeld mit Freiflächen und mittendrin wilde Bäume, die seit Jahrzehnten ihr Recht fordern.

Die Grabsteine in unterschiedlichster Form und Größe, meist aus Sandstein, schlicht, traditionell aber auch monumental; kaum beschädigt, wie die Inschriften, nach all den Jahren immer noch sehr gut lesbar, was irritiert. Und das Hebräisch der ältesten Grabplatten bürgt weiterhin, wahrscheinlich ewig, ein Geheimnis.

Tatsächlich: hier sind die jüdischen Wurzeln der Kleinstadt im wahrsten Sinne fassbar. Ihr Verlust schmerzt unmittelbar. Die Zeit scheint still zu stehen, aber die Ruhe ist trügerisch. Denn es quält die Frage: wie ist es den Familien der hier Ruhenden, wie ist es ihren Nachfahren eigentlich ergangen? Das jüngste Grab ist von 1936!

 

Reinhard Beins "Feststellungen" möchte ich an dieser Stelle keinesfalls abarbeiten; nur soviel: das Charlottenstift und das Heimatmuseum sind inzwischen leider längst Geschichte.

Auch will ich die Frage, wenn ich es denn könnte, ob die Stadt sich bezüglich ihrer Vergangenheit schäme, nicht beantworten. Auch zu den Herren Busch und Löns kein Wort.

Wohl aber zu "Erinnerungskultur" oder besser zu Erinnerungskultur im öffentlichen Raum hier in Stadtoldendorf: denn die gibt es durchaus: beispielsweise den Gedenkstein am ehemaligen Synagogenplatz seit 1981 und neueren Datums, seit 2009, den Spenderobelisken am Kellbergturm, er nennt zentral, eine Seite füllend, den Stifter Oscar Wolff. Seit ein paar Jahren finden Sie im Neubaugebiet an der Oberschule das Straßenschild: Max-Levy-Straße. Der Antrag auf Umbenennung des Teichtorplatzes in "A.J. Rothschild-Platz" ist vor gut einem Jahr gestellt worden.

Und nicht zu vergessen: seit 2007 sind inzwischen 29 sogenannte "Stolpersteine" verlegt worden. Sie finden sie im Stadtkern aber auch in der Neuen Straße, der Deenser Straße, der Hoopstraße, der Schulstraße und am Kellberg. Die Steine erinnern, mit Ausnahme eines aufrechten Christen, an das Leben, an den Leidensweg Mitbürger jüdischen Glaubens.

Und in diesem Kontext besuchten Angehörige dann Stadtoldendorf: Nachfahren aus Deutschland,  der Schweiz, aus England, Irland und aus Argentinien.

Das waren erstaunliche Augenblicke; ich habe weltoffene Menschen kennenlernen dürfen, die im Hier und Jetzt leben, natürlich auf der Suche nach den Familienwurzeln, die Erzähltes, Bekanntes bestätigt wissen oder "wiederentdecken" wollten, die aber auch Unbekanntes, erneut Schmerzliches erfahren mussten, die für sich den richtigen Weg gefunden haben, um mit ihrer Familiengeschichte, ihrer Herkunft umgehen zu können, dabei den Blick zumeist auf die Zukunft gerichtet. So meine Eindrücke. 

Für "Stadtoldendorf" sind und waren diese Treffen unglaublich wichtig, denn sie haben und hatten etwas Heilendes. Nicht in dem Sinne von: gerissene Wunden können nun vernarben, nein, das wäre anmaßend! Etwas Heilendes in Bezug auf: sich der Verantwortung stellen, die Erinnerung wach zu halten, zu mahnen und diese Unmenschlichkeit nie wieder zuzulassen.

 

Aber hätte der Kontakt zu den Angehörigen nicht schon viel früher gesucht werden müssen?  Und warum hat man es versäumt, Holocaust-Überlebende nach Stadtoldendorf einzuladen?

Ich bedauere dies sehr; aber es ist müßig: denn es ist zu spät!

 

Morgen werden drei weitere Stolpersteine verlegt. Stolpersteine erhalten Leo Fröhlich, Hermann Fröhlich und Heinz Rosenhain.

 

Es ist für mich ein ganz besonderes Privileg und eine ganz besondere Ehre, hier vor Ihnen stehen zu dürfen, nicht nur, weil wieder Angehörige zu begrüßen sind und bitte sehen Sie es mir nach, wenn ich jetzt Ute Siegeler mit Sohn Helmut und Ana und Gerardo Rosenhain aus Buenos Aires nochmals herzlich begrüße…

 

Es ist auch deshalb ein besonderer Moment, weil ich Ihnen etwas Einzigartiges präsentieren kann.

Als Ana und Gerardo Rosenhain Stadtoldendorf im Oktober 2011 besuchten, erwähnten sie, ihr Vater Heinz, der 1920 in Stadtoldendorf geboren ist, sei von der Shoah-Foundation interviewt worden. Die Shoah-Foundation, gegründet vom Regisseur Steven Spielberg, hat seit Mitte der 1990er Jahre Berichte von 52.000 Holocaust-Überlebenden aus 56 Ländern in 32 Sprachen auf Video aufnehmen können und stellt jene teilweise zu Forschungs- und Lehrzwecken zu Verfügung. 

Gerardo schickte mir eine Kopie dieses Interviews, ein unersetzliches Zeitzeugnis, ein einmaliges Geschenk und ein Vermächtnis.

Eva Traumann hat dieses Interview aus dem Spanischen übersetzt - an dieser Stelle bereits: nochmals ganz herzlichen Dank, liebe Eva!

 

Ich habe das Interview bearbeitet und, um es präsentieren zu können, in freier Form zusammengefasst. Den Anfang werden Sie gleich im Original sehen… aber zuvor möchte ich Ihnen Familie Fröhlich vorstellen.

 

Nach dem Heinz-Rosenhain-Interview besteht dann die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen und die Angehörigenfamilien kennenzulernen.

 

 

Familie Fröhlich

 

Seit 1909 bzw. 1911 lebt die Familie Fröhlich in Stadtoldendorf. Hermann Fröhlich, ein Zigarrenhändler, verlässt 27-jährig Höxter und wohnt zunächst in der Twete, später dann in der Neuen Straße: hier zwei Jahre zusammen mit seiner Mutter Julie, geborene Mei(y)er.

Jene kehrt 1917 nach Arnheim zurück.

Das Meldebuch nennt als Beruf "Kaufmann", später dann "Lagerist".

Ab 1918 wohnt die Familie in der Amtsstraße 8.  Hermann heiratet Selma Rasenberg.

Hermanns Schwiegermutter Witwe Jenny Goldschmidt ist bereits 1914 in Stadtoldendorf verstorben. Leider fehlen heute Hinweise, um ihr Grab auf dem jüdischen Friedhof zuordnen zu können.

 

Selmas Schicksal bleibt ungewiss. 1929 habe das Paar sich wieder scheiden lassen, heißt es. Manche Angaben sind widersprüchlich oder falsch, standesamtliche Akten fehlen ganz, vermutlich ist sie eine außereheliche Tochter, offiziell abgemeldet aus Stadtoldendorf hat sie sich nie. Ihr behördliches Leben existiert einfach nicht. Ob ihr dieser Umstand eventuell das Leben retten konnte, muss Spekulation bleiben.

 

Selma und Hermann haben zwei Kinder: Tochter Elisabeth wird 1913 hier geboren. Aufgrund ihrer Ehe mit einem nicht jüdischen Ehemann, 1932 heiratet sie Paul Zelms, wird Elisabeth erst im Februar 1945 ins so genannte "Altersghetto" Theresienstadt verschleppt, sie kehrt nach Ende des Krieges nach Stadtoldendorf zurück und stirbt hier 1960.

Eine Ergänzung noch: Elisabeth ist christlichen Glaubens; in der NS-Zeit gilt sie aufgrund ihrer Herkunft jedoch als "Jüdin". Als sie später in Stadtoldendorf verstarb, gab es tatsächlich Schwierigkeiten, sie auf dem hiesigen christlichen Friedhof bestatten zu lassen. Aber dies ist ein weiteres, ein anderes dunkles Kapitel unserer geliebten Heimatstadt!

 

Sohn Leo wird 1922 hier geboren. Nach dem Besuch der Grundschule verlässt er bereits im Juni 1933 Stadtoldendorf mit unbenanntem Ziel. Ab wann Leo dann in Hannover lebt, ist nicht zu klären. Später wird er in der Israelitischen Gartenbauschule in Ahlem auf Heinz Rosenhain treffen. Leo erlernt dort den Beruf des Gärtners. Im September 1941 ist er gezwungen im so genannten "Judenhaus" in der Bergstraße 8, in der ehemaligen Synagoge, zu leben. Im Dezember 1941 wird Leo ins Ghetto Riga deportiert.

 

Hermann Fröhlich verlässt Stadtoldendorf wahrscheinlich vor 1938. Henny Simon, eine der wenigen Überlebenden des Rigatransportes, sie lebt heute in Colchester, USA, erzählte mir, Hermann Fröhlich habe 1938 oder 1939 in Hannover, in der Spittastraße bei ihrer Mutter zur Untermiete gewohnt. Als ihrer Mutter die Wohnung gekündigt worden sei, weil der Hauswirt keine Juden mehr haben wollte, sei Herr Fröhlich gleich mit umgezogen. Ab Oktober 1941 seien sie alle dann ins "Judenhaus" in die Ohestraße 8 oder 9 gepfercht worden. Hermann habe in einer Wäscherei arbeiten müssen, immer in der Nachtschicht und ihre Mutter habe ihn bekocht. Dann wären sie alle am 15. Dezember ins Ghetto nach Riga in Lettland verschleppt worden. Dort seien sie in einem Zimmer im dritten Stock geendet, sie wären sechs Personen gewesen: Henny, ihre Mutter Jenny, Else Zierer mit Sohn Arno Löwenstein, Olga Petzon und Hermann Fröhlich.

Am 22. oder 23. Dezember wären dann beide Männer ins Konzentrationslager Salaspils überstellt worden. Beide seien dort umgekommen: Arno sei am Galgen erhängt und Herr Fröhlich sei vor Hunger, Kälte und Schwäche gestorben.

Frau Simon kann sich nur an einen einzigen Besuch Leos bei seinem Vater in Hannover erinnern. Zu Stadtoldendorf wisse sie nichts, aber vielleicht hätte Herr Fröhlich tatsächlich einmal erwähnt, dass er geschieden sei; sie kann sich daran aber nicht mehr erinnern. Seine Gattin habe sie jedenfalls nie kennengelernt.

 

Vater und Sohn, Hermann und Leo Fröhlich, haben sich nie wieder gesehen. Sie hatten sich wahrscheinlich schon zuvor aus den Augen verloren. Hermann Fröhlich wird seinen 58. Geburtstag nicht mehr erleben; Leo Fröhlich ist keine 20 Jahre alt, als sich seine Spur in der Hölle Rigas verliert.

 

Ich komme nun zum Interview der Shoah-Foundation.

Es wurde am 15. Mai 1997 in Buenos Aires aufgezeichnet; im Original hat es eine Länge von fast 4 Stunden. Aber keine Angst: ich werde es in gut einer halben Stunde zusammengefasst haben.

Interviewerin ist Mirta Yanco: sie ist verständlicherweise sehr im Thema, verfolgt eine zeitliche Struktur, lässt aber immer wieder Raum für Rückblenden und Nebenwege. Sie bedrängt Heinz nie, fragt aber ab und an sehr detailliert nach.

 

Sie sehen jetzt den Beginn des Interviews: gut vier Minuten, dann werde ich den Inhalt in eigenen Worten zusammenfassen.

 

Gezeigt wird der Beginn des Interviews im Original, bis zu jener Stelle, wo Heinz den Vornamen seines Bruders buchstabiert: K-U-R-T.

 

Zunächst fragt die Interviewerin Heinz nach seinem Namen, seiner Herkunft und seiner Familie.

Heinz antwortet, sein Name sei Enrique Rosenhain, er sei in Stadtoldendorf geboren, einer Kleinstadt in Deutschland, ungefähr 100 Kilometer von Hannover entfernt, Besonderes habe es dort eigentlich nicht gegeben, doch: eine Weberei, 10 jüdische Familien hätten dort gelebt, so etwa 30 bis 40 Personen, sein Vater, Julius Rosenhain, habe das Bekleidungsgeschäft der Großväter übernommen, seine Mutter, Amalie de Leve, stamme aus Holland, sie sei Hausfrau gewesen, der drei Jahre jüngere Bruder Kurt habe eine Gartenbauschule in Berlin besucht, er sei im Alter von 18 Jahren an einer Lungenentzündung gestorben  - vier Wochen nach seiner Mutter. Beide seien auf dem jüdischen Friedhof in Hannover beerdigt,

sein Vater sei 1938 von den Nazis verschleppt worden (gemeint ist hier die Inhaftierung in Buchenwald nach der Reichspogromnacht),

er habe seinen Vater nie wieder gesehen; seine Mutter sei 1940 gestorben. 

 

nach der Schule befragt:

er habe eine ganz normale staatliche Schule besucht, auch habe es nie Probleme mit Mitschülern und Lehrern gegeben, bis zu dem Tag, an dem er jene verlassen musste, weil er Jude war. Von da ab, wäre alles anders gewesen, so habe er beispielsweise auch nicht mehr schwimmen gehen dürfen. Und Schwimmen wäre eine seiner großen Leidenschaft gewesen. Die Beziehungen wären nicht mehr die gleichen gewesen.

Sieben Jahre habe er die Grundschule besucht und wäre dann drei weitere Jahre auf dem Weg zur Mittleren Reife gewesen. Dann sei es nicht mehr weitergegangen.

Die Schulbehörde hätte einen Brief geschrieben, andauernd wären ja neue Verordnungen erlassen worden, er selbst habe aber nichts mehr verstanden.

 

die Frage nach dem jüdischen Leben vor Ort beantwortet Heinz wie folgt:

ja, es habe eine Synagoge gegeben, die sei 1938 auch zerstört worden. Einmal in der Woche, für eine Stunde wäre dort Religionsunterricht erteilt worden; er habe aber nicht allzu viel gelernt, da der Rabbi schon sehr alt gewesen sei. Die Synagoge sei nur am Sabbat und zu den hohen Feiertagen genutzt worden. Die Zahl der Gemeindemitglieder schätzt Heinz auf 30 bis 38. Seine Familie habe zwar die Traditionen gepflegt, sei aber nicht sehr aktiv gewesen. So wären sie nur bei den großen Festen dabei gewesen.

 

wie man sich diese vorstellen müsse? na ja, getanzt wurde nicht gerade, halt ein schönes Essen im Familien- und Freundeskreis, zusammen mit der Großmutter. Vorgebet habe niemand und an Barmitzwah (Eintritt in die Religionsmündigkeit im Alter von 13 Jahren) könne er sich im Grunde nicht erinnern, nicht einmal an die Geschenke. Sein religiöses Leben könne als nicht traditionell bezeichnet werden.

 

befragt nach der Beziehung zu den Eltern, zu der Oma, die Heinz als gut bezeichnet, entgegnet er: sie hätten ja nur wenige gemeinsame Jahre gehabt, er sei ja dann zur Schule nach Hannover gegangen (gemeint ist hier: ab 1935 ist Heinz in Hannover gemeldet, er besucht die Israelitische Gartenbauschule in Ahlem).

 

Sein Zuhause in Stadtoldendorf (gemeint ist das Haus in der Teichtorstraße 3, dort wo sich heute die Tafel Holzminden befindet) beschreibt Heinz wie folgt: ein zweistöckiges Gebäude, im Erdgeschoss das Geschäft, im ersten Geschoss die elterliche Wohnung und im zweiten, die der Oma. Da die Interviewerin detailliert und beharrlich nachfragt, erwähnt Heinz auch noch den Keller, den Dachboden und den kleinen Hinterhof - samt Funktionen.

 

Omas Geschäft habe floriert, bis sein Vater nicht mehr als Händler tätig sein konnte, dann sei alles sehr schwer geworden. Nach 1938 habe man seinen Vater Julius zur Zwangsarbeit im Steinbruch verpflichtet, zu Arbeiten, die jener als Kaufmann ja nicht gewohnt gewesen sei.

 

Ob er sich an den Boykott 1933 erinnern könne?

ja, die Nazis seien am späten Abend durch die Stadt marschiert und hätten furchtbare Lieder gesungen: "Wenn das Judenblut vom Messer spritzt…"

Sie seien in das Haus eingedrungen, wären die Treppe herauf geeilt, hätten die Fensterscheiben zerschlagen. Selbst vor den Schlafzimmern hätten sie nicht Halt gemacht. Die Nazis hätten zwar nicht zugeschlagen aber trotzdem ihr Ziel erreicht.

 

Auf die Frage, ob seine Familie die Nachrichten, die Titelblätter der Zeitungen, das Radioprogramm nicht erschreckt und verängstigt habe, erklärt Heinz: ja, natürlich… aber die deutschen Juden wären halt sehr deutsch gewesen… auch seine Familie hätte nie geglaubt, dass so etwas möglich wäre.

Sein Vater, seine Großväter hätten ja für Deutschland gekämpft. Sie hätten sich das alles nie vorstellen können.

 

Und er habe geglaubt, ihm könne so etwas nicht passieren und dann sei es ja doch passiert.

 

Die Gesellschafterfamilien der Weberei, das wären auch Juden gewesen, die hätten seiner Familie geholfen, finanziell und auch mit Lebensmitteln. Alles wäre sehr, sehr, sehr schwer gewesen.

 

Wann habe das Geschäft geschlossen werden müssen? ein genaues Datum könne er nicht nennen. Seine Oma habe das Haus verkauft (gemeint ist hier: 1934 wird es verpachtet, später verkauft an den Drogisten Werner), in unmittelbarer Nachbarschaft wäre ein Nazilokal gewesen (gemeint ist hier der Schwarzer Bär), das habe ein Weiterleben dort unmöglich gemacht. Sein Vater habe dann eine Wohnung angemietet (gemeint ist hier das Hinterhaus in der Baustraße 14)  und habe im Steinbruch arbeiten müssen. Das Geld habe aber nie gereicht, so dass die Gesellschafterfamilien der Weberei A.J. Rothschild Söhne aushalfen.

Jenen habe er auch zu verdanken (sie übernahmen das Schulgeld), dass er die Israelitische Gartenbauschule in Ahlem besuchen konnte, sonst hätte er ja auch im Steinbruch arbeiten müssen.

 

Heinz bestätigt, dass die weiteren jüdischen Familien vor Ort das Schicksal teilten: die meisten seien ja relativ alt gewesen, einige wären auch deportiert worden, einige hätten wohl emigrieren können, er könne das aber nicht so genau sagen, da er seit 1935 nicht mehr zuhause, sondern in Hannover gelebt hätte.

 

dann soll Heinz seinen Leben in Hannover schildern:

Hannover habe ihm sehr gefallen, eine Großstadt halt und in der Israelischen Gartenbauschule, in der er auch gewohnt habe, sei alles viel einfacher gewesen. Etwa 100 Schüler seien dort gewesen, auch habe es zusätzlich eine Grundschule gegeben, es habe genug zu essen gegeben, alles sei perfekt von der Leitung organisiert worden. Ab und an wäre er nach Hause gefahren, mal mit dem Rad, mit dem Bus oder mit der Bahn, später nur noch mit dem Fahrrad. Die Lebensumstände wären aber pausenlos beschnitten worden. Besitz musste angezeigt, dann abgetreten werden, zum Beispiel habe sein Vater die Möbel abgeben müssen. Dauernd habe es neue Anweisungen gegeben; er selbst habe davon in der Gartenbauschule aber nicht viel mitbekommen.

 

nach der  Pogromnacht befragt, antwortet Heinz: er sei in Hannover gewesen. Die Nazis seien mit Autos durch die Straßen geeilt: "Juden sind Diebe!" und Ähnliches brüllend. Ihm selbst sei aber nichts passiert, auch der Gartenbauschule nicht. Das, was er an Zerstörungen beobachten konnte, habe ihn aber sehr erschüttert. Am nächsten Tag sei er nach Stadtoldendorf geeilt. Zuhause wäre alles sehr traurig gewesen. Die jüdischen Männer habe man nach Buchenwald verschleppt. Die Familie habe ja ganz in der Nähe der Synagoge gewohnt.

Die Leute auf der Straße seien sehr hässlich gewesen, manche hätte nach ihm ausgespuckt. Nein, in Stadtoldendorf habe er keine Freunde mehr gehabt, nur seine Mutter, sein Bruder Kurt sei zu jener Zeit wohl in Berlin gewesen.

Die Gleichaltrigen hätten sich zuvor schon abgewandt, der Arbeit wegen, habe er gleich wieder nach Hannover zurückkehren müssen.

 

Im August 1938 hatte Heinz erfolgreich die Israelitische Gartenbauschule mit der Gesellenprüfung abgeschlossen. Als praktische Aufgabe musste ein Blumenkreuz für den Friedhof gestaltet werden. Anschließend arbeitet er, vom Landwirtschaftsministerium eingestellt, bei einer privaten Gartenbaufirma.

 

Gefragt, ob er geahnt habe, dass ihm etwas Schreckliches widerfahren könne, antwortet Heinz, manchmal habe man zwar etwas gehört, dies aber nicht glauben können. Er habe die Reden nie verstanden: "Kauft nicht bei Juden!", "Die Juden sind schlecht!", immer das Gleiche, Goebbels, Streicher im Stürmer, ja, das wäre bekannt gewesen, später habe er mit den Eltern darüber gesprochen, doch zu emigrieren. Ein Cousin in den USA habe 1940 Geld an den bolivianischen Konsul in Holland geschickt, um damit die Ausreise zu ermöglichen. Aber das Geld sei nie angekommen. Kurze Zeit später seien die Mutter und der Bruder verstorben, da wäre die Ausreise sinnlos geworden. Er habe dann bei einer befreundeten Familie Cohn in Hannover gewohnt, die hätten vier Söhne gehabt und er sei dann halt der fünfte gewesen.

Diese Familie sei später nach Argentinien ausgewandert.

 

Er habe zwar gewusst, dass Juden deportiert werden, aber nicht wohin. Auch habe er sich nicht viel mit anderen darüber unterhalten. Heute sei die Kommunikation ja eine ganz andere. Sein Vater Julius sei in ein Lager oder Ghetto nach Warschau deportiert worden.

Als er nach dem Krieg davon erfahren habe, habe ihn dies natürlich sehr berührt, er habe Wut und Machtlosigkeit gespürt, er sei tief betroffen. Aber: was hätte er dagegen tun können?

 

Heinz kann sich nicht erinnern, wann er seinen Vater zum letzten Mal sah.

 

Als der 2. Weltkrieg ausbrach, sei er in Hannover gewesen, habe am Radio gesessen, Zeitung gelesen aber nichts gefühlt.

Es sei für ihn einfach nicht greifbar gewesen.

Die Deutschen wären traurig und die Juden gleich doppelt traurig gewesen.

Bis 1940 habe einem Tag dem anderen geglichen: gefüllt mit viel, viel Arbeit. Aber es hätte doch noch ein paar jüdische Konditoreien gegeben, wo sich die jüdischen Jugendlichen Sonnabend Abend heimlich treffen konnten.

Er selbst sei in dieser Zeit nie angegriffen oder aggressiv behandelt worden, auch nicht, als er den Stern tragen musste.

Juden sei ja vieles verboten worden, so dass es wenig Berührungen gab: auch hätte es immer eine feste Platzordnung gegeben: vorne oder hinten. Zudem hätte sich nie ein Deutscher zu ihm gesetzt, zum Beispiel im Zug. Persönlich sei ihm aber nie etwas passiert.

 

Die Frage, warum er nie belästigt worden sei, weiß Heinz nicht zu beantworten.

 

Dann wird Heinz Ehefrau Cläire (Klara) zum Thema:

Heinz berichtet, er habe sie in einem Café kennengelernt. Er habe damals in einem großen "Judenhaus" wohnen müssen (gemeint ist die ehemalige Zentralstelle der Synagogengemeinde in der Ohestraße 8, ab Sept. 1941 wird sie  als so genanntes "Judenhaus" missbraucht: 200 Menschen aller Altersstufen werden gezwungen, menschenunwürdig beengt und jeglicher Intimsphäre beraubt hier zu leben).

Cläire habe in einer Pension in der Nähe als Küchenhilfe gearbeitet und sei immer am "Judenhaus" vorbeigekommen, um die alten Menschen mit Essen zu versorgen. Im Keller hätten sie sich dann getroffen. Sie habe auch ihm Essen zugesteckt. Sie sei eine sehr schöne Frau und ein sehr, sehr, sehr guter Mensch. Ihre Familie hätte in Fürstenau bei Osnabrück gelebt. Cläires Eltern und die zwei jüngeren Brüder hätten noch rechtzeitig nach Argentinien emigrieren können.

(Cläire selbst und ihrer Schwester sei dieser Weg aber versperrt gewesen, aufgrund eines Dekrets, das Juden die Einreise nach Argentinien im Alter zwischen 15 und 35 Jahren verweigert.)

Die beiden Schwestern wären in Hannover zurückgeblieben und hätten beide zwei Jahre in jener Pension gearbeitet.

 

Viele Leute wären fortgegangen oder wären einfach verschwunden. Er selbst habe nichts geahnt.

 

Er habe sich einfach keine Gedanken gemacht, weil er meinte, davon nicht betroffen zu sein.

 

wie habe denn die Bevölkerung auf Deportationen reagiert? die hätten am Fenster gestanden und einfach nur geschaut. Nie hätte jemand geholfen. Nie hätte es eine persönliche Geste gegeben… für niemanden!

 

dann soll Heinz über seine eigene Deportation berichten:

das wäre von Gleich auf Jetzt gegangen. Er habe kaum Angst gespürt, da er ja keine Ahnung gehabt hätte. Sie seien einfach abgeholt worden und dann auf Lastwagen zum Bahnhof Fischerhof gefahren. Dort wären schon hunderte andere gewesen. Sie seien völlig ahnungslos in den Zug gesetzt worden. An den vorbeiziehenden Ortschaften hätten sie dann gemerkt, es geht Richtung Osten. Die Fahrt nach Riga hätte drei Tage gedauert. 1.001 Menschen seien damals aus Hannover deportiert worden; die genaue Zahl wisse er aus der Literatur. Eine schreckliche Reise wäre das gewesen: der Zug total überfüllt, alte Waggons mit Holzbänken, kein Essen, nur das, was sie mitgenommen hätten, die Türen während der gesamten Fahrt verschlossen, in den Bahnhöfen habe Polizei oder die SS kontrolliert, ja, Cläire wäre bei ihm gewesen, natürlich in Sorge: was kommt jetzt? An ihre Gespräche könne er sich aber nicht mehr erinnern.

Wie hätte er, wie hätten sie ahnen können, was ein Konzentrationslager, was ein Ghetto ist?

 

Ihr Verhältnis wäre mehr ein freundschaftliches gewesen, kein richtiges Pärchen im heutigen Sinne, alles sei zwischen ihnen ja noch sehr frisch und recht vorsichtig gewesen.

 

Dann die Ankunft in Riga: die Wertsachen hätten sie ja zuvor schon abgeben müssen, so hätten sie nur das Nötigste bei sich getragen, vom Bahnhof wäre es direkt ins Ghetto gegangen, in kleinen Kolonnen zu zwanzig Personen.

Die alten Leute sind am Bahnhof selektiert worden. Während der Fahrt habe man ja den einen oder die andere kennengelernt. Einige, nach denen man später gefragt habe, blieben für immer verschollen.

 

wie habe man sich das Ghetto vorzustellen? drei oder vier Häuserzeilen mit einer Art Hauptstraße, ringsherum Stacheldrahtzaun, mit Warnschildern: "wer versucht über den Zaun zu klettern, wird sofort erschossen!" Sie seien auf einzelne Häuser verteilt worden. Zum Teil habe noch das Essen auf den Tischen gestanden, all das sei historisch belegt (Heinz meint hier die Räumung des Ghettos: die Ermordung ab dem 30. November 1941 von mehr als 27.000 lettischen Juden in den Wäldern von Rumbula).

 

Die Frage, ob deutsche Juden in dem geteilten Ghetto - es gab einen lettischen und einen deutschen Teil - bevorzugt behandelt worden seien, verneint Heinz. Alle Orte wären gleich hässlich und traurig gewesen. Cläire und Heinz hätten zusammen mit Cläires Schwester Hanni und deren Freund ein winziges Zimmer teilen müssen.

 

Heinz beschreibt den Tagesablauf wie folgt: relativ frühes Aufstehen, dann zum Appellplatz, Kontrolle der Vollzähligkeit unter Aufsicht der SS, dann Antreten zur Arbeit, in Gruppen zu zehn Personen, bewacht von Soldaten und SS zur Arbeitsstelle, in der Nacht Rückkehr mit erneuten Personenkontrollen. Wer etwas bei sich trug, sei sofort vor allen Augen erhängt worden. Das Essen sei sehr schlecht und viel zu dürftig gewesen: meist dünne Suppe aus Fischköpfen mit ein paar Kartoffeln, ab und an Pferdefleisch, falls es Bombardierungen gegeben hatte. Das Fleisch wäre ein bisschen süß gewesen. Es hätte sehr, sehr wenig Brot gegeben. Ständig habe er Hunger gelitten und versucht, irgendwo etwas Essbares zu finden. Cläire habe in einer Art Bücherei für deutsche Frontsoldaten gearbeitet und ihr Chef habe ihr Essen zugesteckt. Auf Nachfrage erklärt Heinz, ja, der Chef wäre ein Deutscher aber kein Jude gewesen.

Heinz selbst habe bei Opel arbeiten müssen: Überholen von beschädigten Motoren, die aus den Kriegsgebieten eintrafen. An einem regnerischen Tag habe sein Vorgesetzter ihn in die Halle gebeten - "Du wirst ja nur nass" - und habe ihm die Funktion eines Autos erklärt: für Heinz absolutes Neuland. Fortan habe er also in der Grube gestanden, an Bremsen und anderem rumhantiert. Eines Tages sei nun aber ein Motor herausgefallen, es sei umgehend Sabotageverdacht entstanden. Der Vorgesetze habe ihm aber geholfen, sei sofort ins Büro geeilt und hätte die defekten Halterungen reklamiert.

 

Die Frage nach einem möglichen religiösen Leben im Ghetto verneint Heinz. Eher vielleicht kleine religiöse Regeln: so wäre beispielsweise die Kippa beim Essen vom Kopf geschlagen worden.

 

Ob viele Menschen im Ghetto gestorben seien? nein, nicht so viele. Was mit den Toten geschah, weiß Heinz nicht. Den Friedhof kennt er nicht. Er könne sich nicht erinnern, wer gestorben sei. Aber eines Tages seien die Kinder abgeholt worden. Die Mütter hätten noch verzweifelt versucht, ihre Kinder nicht alleine gehen zu lassen. Wohin man sie verschleppte, wo sie getötet worden sind, das wisse er nicht. Die Kinder wären vier, fünf Jahre alt gewesen.

 

Heinz beginnt zu weinen.

 

An einzelne Personen könne er sich nur schwer erinnern, aber immer an die Kinder.

 

Ob Heinz Hinrichtungen und Grausamkeiten in Riga gesehen hätte? ja.

 

Ob er gewusst habe, dass es ein kleines und ein großes Ghetto in Riga gab? Von dieser Unterscheidung habe er noch nie gehört. Es hätte ein lettisches und ein deutsches Ghetto gegeben und das lettische habe man auch mit Erlaubnis des Judenältesten, Herrn Schultz, aufsuchen können: mit Angabe von Tag, Uhrzeit und Anlass. Das wäre eigentlich kein anderes Ghetto gewesen, denn man hätte nur die Straße queren müssen. Die lettischen Juden hätten jiddisch gesprochen. Sein Jiddisch sei aber schlecht gewesen. Trotzdem habe man sich verständigen können, am Abend hätte man allerdings wieder zurückkehren müssen. Jedes Ghetto besaß einen eigenen "Ordnungsdienst", einen eigenen "Judenrat". Die Bewohner des lettischen Ghettos wären sehr gute Menschen gewesen. Sie hätten das deutsche Ghetto mit Essen versorgt, sie hätten sich ja ausgekannt, hatten Kontakt nach draußen und hätten sich ganz anders und viel besser organisieren können.

 

ob er Hannoveraner wiedergetroffen habe? ja, klar.

 

was er abends mit Cläire so besprochen habe? im Grunde sehr wenig. Sie hätten immer Angst vor dem kommenden Tag gehabt, Angst, verschleppt zu werden. An Selektionen kann sich Heinz nicht erinnern, sicher, es seien Menschen abgeholt worden, aber unauffällig. Auch hätte jeder gewusst, wer zur Kommandantur nach Riga bestellt wird, der kommt nicht wieder. Ab und an habe er auch vom Widerstand gehört, manche seien verhört worden, er habe sich sehr unsicher gefühlt: wem kann man wirklich vertrauen? von Folter habe er aber nichts gewusst. Und was mit den Juden in Polen geschah, darüber hätten später Mitgefangene berichtet.

 

Die Frage, ob es Kulturelles im Ghetto gab, bejaht Heinz: die SS habe ein Musik- und Theaterprogramm gefordert. Und er habe tatsächlich geschauspielert, in Sketchen mitgewirkt, es gäbe sogar ein Foto davon - irgendjemand hätte im Ghetto Fotos gemacht. Was Fröhliches zu präsentieren, habe für einen kurzen Augenblick ablenken können. Aber an so einem Ort könne man natürlich nie glücklich sein.

 

dann wird Heinz bezüglich Salaspils befragt: plötzlich habe es geheißen: zu einer bestimmten Zeit zum Appellplatz kommen und dann hätte sie ihn mit etwa 400 bis 500 Personen auf Lastwagen ins Konzentrationslager Salaspils verschleppt: ein sehr hässliches und trauriges, etwa 18 km hinter Riga gelegenes Lager. Dort hätten sie Baracken bauen müssen. Im Fluss Düna (Daugava) seien Holzstämme getrieben. Es sei eine ganz furchtbare Arbeit gewesen, zumal es im Dezember bitterkalt gewesen wäre. Die Baracken aus vorgefertigten Teilen hätte sie zunächst für sich selbst bauen müssen: dann jede Baracke für etwa 300 bis 400 Personen, mit Hochbetten bis zu vier Etagen, mit undichtem Dach, ohne Toiletten, einfach raus in den Schnee…

Bezüglich Kleidung wäre es ihm noch ausgesprochen gut gegangen, da er immer noch seine Hannoveraner Sachen tragen konnte.

 

Nur die Schuhe wären sehr alt gewesen und hätten ja noch Ewigkeiten halten müssen.

 

Es hätte extrem wenig zu essen gegeben und sehr, sehr viele Menschen seien dort gestorben. Die Toten wären im Wald verscharrt worden. Zwar wäre Heinz das Arbeiten mit der Schaufel vertraut, aber Tote in die Grube zu tragen, das wäre das Grausamste, zumal sich der Transport im Wald äußerst schwierig gestaltete: so hätten nicht alle getragen werden können, viele wären in Decken und an Seilen durch das unwirtliche Gelände geschliffen worden. Die Leichen auf dem Rücken, wäre es zum Massengrab gegangen, Kalk hinein…

 

Er habe jemanden getragen, den er zwei Tage zuvor kennengelernt habe.

 

Heinz gibt zu bedenken, dass man sich nicht einfach hinterher die Hände waschen konnte, auch konnte man nicht einfach die Kleider wechseln, es war immer die gleichen Sachen, die man tagein, tagaus trug, in denen man schlief.

 

Heinz weint. 

 

Drei Monate wäre er dort in dem Lager gewesen, bis die SS angeboten habe, wer krank sei, könne ins Ghetto zurückkehren. Heinz habe sich dann auch gemeldet, er sei ja voller Ungeziefer gewesen, die Hose habe vor Dreck gestanden, alles habe gestunken, die ganze Zeit habe er nicht einen einzigen Tropfen Wasser gesehen, zudem plagten 42 Furunkeln. Und so hätte er tatsächlich zurückkehren dürfen. Und gleich wären alle auf ihn eingeströmt, hätten ihn nach ihren Angehörigen befragt.

Aber: sein Transport sei der erste gewesen, der das Ghetto auch wirklich erreicht habe. Dr. Roschmann (gemeint ist hier Obersturmführer Eduard Roschmann, der Ghettokommandant) wäre sehr erstaunt, regelrecht enttäuscht gewesen, Heinz im Ghetto wiederzusehen.

 

Das Ghetto habe Heinz nun als ganz wunderbaren Ort empfunden, denn er wäre ja gerade aus der Hölle gekommen. Auch sei er natürlich unbeschreiblich glücklich gewesen, seine Frau endlich wiedersehen zu können.

 

Das Ghetto wäre dann offiziell aufgelöst worden - aber irgendwie, mit weniger Kontrollen, sei es doch weitergegangen. Sie seien in kleinen Gruppen, 50 bis 100 Personen, abgeführt und kaserniert worden (gemeint ist hier: mit der Errichtung des Konzentrationslagers Kaiserwald - von Juli bis November 1943 wird das Ghetto Riga schrittweise aufgelöst, anschließend werden Kinder und Kranke nach Auschwitz deportiert, mehrere Betriebe errichten zeitgleich Zwangsarbeiterlager).

 

Cläire und Heinz hätten für das Armeebekleidungsamt arbeiten müssen: an einer Sammelstelle, nahe der Grenze, Kleidungsstücke, darunter auch Uniformen und Stiefel, durchsuchen, reinigen und sortieren.

Der dortige Kommandant habe einen Gärtner gesucht, so dass Heinz teilweise wieder in seinem erlernten Beruf arbeiten konnte. In der Kleiderkammer habe man ab und an etwas organisieren können. Um Überleben zu können, hat Heinz dann Kleidung oder Schuhe gegen Brot und Kartoffeln getauscht. Eines Tages sei er jedoch aufgeflogen, verhaftet und wegen "Wehrkraftzersetzung" direkt zur SS nach Riga überstellt worden. Der Kommandant konnte Heinz jedoch, mit der Begründung, ihn selbst bestrafen zu wollen, zurückbeordern lassen. Heinz erhielt jeweils 15 Schläge vor und nach ein paar Tagen Haft in einer feuchten Gefängniszelle.

 

Kurzzeitig wird Heinz wahllos mit anderen von Soldaten verhaftet: "ihr bleibt jetzt hier und schafft Ordnung, denn die Russen kommen näher!"

 

Cläires Angst, von Heinz getrennt zu werden, sei nun gewachsen. Zumal der Freund ihrer Schwester bereits auf einem Schiff zum Abtransport inhaftiert gewesen wäre. So habe sie sich hilfe- und ratsuchend an den Kommandanten gewandt, mit der Bitte, Schwester Hanni irgendwie doch auch an Bord zu schaffen.

Der Kommandant habe beschwichtigt, das Schiff sei überfüllt und werde nicht auslaufen, aber: ihre Schwester solle unbedingt an Land bleiben. Hanni habe sich aber nicht abhalten lassen und sei freiwillig an Bord gegangen. Beide, Schwägerin und Schwager, seien in Stutthof oder Auschwitz ermorden worden (gemeint ist hier der Abtransport von Häftlingen ab August 1944 auf dem Seeweg ins Konzentrationslager Stutthof) [Todesdatum von Cläires Schwester Eva Johanna "Hanni" Jacobsohn, geb. Stern: 15. Jan. 1945 in Stutthof].

 

Wenig später sind Cläire und Heinz auch deportiert worden - per Schiff nach Hamburg. Drei Tage im Bootsinneren, auf Munition ausharrend, seekrank, fast ohne Essen, voller Angst, bombardiert zu werden. Man habe erfolglos versucht, die Gespräche der Deutschen zu belauschen.

 

In Hamburg hätte man sie ins Zuchthaus gesperrt, in Zellen mit bis zu 40 Menschen. Sie hätten Zwangsarbeit leisten müssen: unbrauchbare Munition zum Einschmelzen schleppen. Auch dort hätten sie erneut Gärtner gesucht und er habe sich zusammen mit einem Freund gemeldet, nicht ohne Angst, denn "gärtnern" hätte ja durchaus bedeuten können, eine Grube selbst zu schaufeln. Voller Zweifel wären sie zum Amtssitz eines SS-Mannes, eines Holländers, bestellt worden. Dessen doppeltes Spiel hätte geholfen: einerseits  habe er sie immer vor versammelter Mannschaft heruntergeputzt, andererseits an einen bestimmten Ort befohlen. Und dort habe dann immer ein Teller Suppe auf sie gewartet. Nein, an dessen Namen könne er sich nicht mehr erinnern, aber daran, dass dessen Frau eines Tages ein wundervolles Essen serviert habe - mit Weißbrot.

 

Heinz: stellen Sie sich das vor! wann hatte ich das letzte Mal Weißbrot gegessen!

 

Die Frauen wären separiert im Frauengefängnis untergebracht gewesen. Sie hätten sie vielleicht mal aus weiter Ferne beim Hofgang sehen können, immer voller Sorge. Vorsichtig hätten sie den SS-Mann gefragt, ob sie nicht dort im Innenhof Rasenmähen dürften. Und genau das habe der SS-Mann dann tatsächlich organisiert. Nun, die Frauen hätten alle gleich ausgeschaut, ohne Haare und in Häftlingskleidung, aber die Frauen hätten die beiden Gärtner erkannt.

 

Und dann fängt es zu schneien an…

 

Heinz weint…

 

es schneit Papier…

 

alle Frauen haben Zettel, haben Notizen geschrieben und den beiden zugeworfen.

Sie wären mit Papierfetzen, nur so eingedeckt worden.

Statt Rasen zu mähen, hätten sie alles eingesammelt,

Cläire hätte auch geschrieben.

Das wäre ja die einzige Möglichkeit des Austausches gewesen.

Natürlich wären darunter keine langen Briefe gewesen, da hätten meist nur die Namen gestanden. Der Name des Mannes.

Sie hätten dann alles verteilt.

 

Das wäre einfach gigantisch gewesen.

 

Ganz unbeschreiblich!

 

Ende 1944, nach einem Monat Gefängnishaft, wären sie dann tagelang zu Fuß, ohne Schuhe, nach Kiel marschiert. Immer bedroht durch Fliegeralarm. Die Landbevölkerung habe ihnen etwas zu essen zugesteckt. Ziel sei ein Arbeitserziehungslager gewesen, dort habe es alle möglichen Häftlinge gegeben: Kommunisten, Widerständler usw. darunter etwa 150 deutsche Juden (gemeint ist hier das Konzentrationslager Kiel-Hassee).

 

Er habe dort an manches denken müssen, aber nie an die Chance, befreit zu werden.

 

Denn der dortige Kommandant habe sie wie folgt begrüßt: "Ihr seid Juden? Euch haben sie wohl vergessen in Riga zu töten! Das werden wir nun nachholen!"

 

Die Männer hätten in Kiel die Straßen aufräumen müssen, Schutt beseitigen, Steine schleppen. Cläire hätte in der Kleiderkammer des Lagers gearbeitet. Eines Abends sei dann ein SS-Mann in die Baracke gekommen und habe gesagt: morgen geht es nach Schweden! In der gleichen Nacht wären sie zu einer Baracke voller Toter geführt worden. Sie hätten ihre Häftlingskleidung gegen die Zivilkleidung der Toten tauschen müssen. Gleiches wäre den Frauen geschehen. Heinz habe gedacht, wenn sie uns jetzt ermorden, sind wir nicht mehr als Häftlinge zu identifizieren.

 

Am nächsten Morgen treffen sie auf die Frauen, es heißt: "Bitte reden Sie miteinander, deshalb haben wir Sie ja extra zusammengeführt. Sie fahren heute nach Schweden; es kommen gleich Busse!"

 

Sie werden gesiezt!

 

Und tatsächlich, es wären zwei große Busse erschienen; aber niemand habe einsteigen wollen.

 

Dann werden sie hineingetrieben und die Türen verschlossen, auf den Sitzen finden sie Frühstückspakete, der Fahrer grüßt ganz normal mit: "Guten Morgen", nicht mit "Heil Hitler".

 

Alle haben Angst.

 

Ein Mithäftling erkennt, dass es Richtung Flensburg geht. Bei jedem Waldstück schrecken sie auf. An der dänischen Grenze werden die Busse einfach durchgewunken.

 

Heinz schwirrt der Kopf: er weiß, Dänemark ist immer noch von den Nazis besetzt. Heinz erinnert sich, dass der dänische König sich damals aus Solidarität einen Davidstern angesteckt hatte.

 

Dann halten die Busse mitten in der Natur.

 

Alle strömen hinaus, auf der Suche nach etwas Essbarem, viele beginnen sofort Gras zu essen.

 

Dann erblicken sie endlich das Rote Kreuz, ihre Kleider werden desinfiziert und anschließend gibt es Suppe.

Sie wären alle außer sich gewesen: richtiges Essen!

Immer und immer wieder hätten sie sich angestellt, um "Nachschlag" gebeten und dann immer und immer wieder Suppe auch problemlos erhalten.

 

Unfassbar!

 

Dann wären sie nach Kopenhagen gefahren, der Bahnhof wäre völlig überfüllt gewesen und viele Menschen seien dort auch am richtigen Essen gestorben. Mit dem Zug wäre es bis zur Küste gegangen und dann mit der Fähre nach Malmö.

 

wann habe er sich frei gefühlt? na ja, zu 50 Prozent beim Suppeessen. Und als sie in Malmö die Fähre verließen, da hätte dort ein riesengroßes Zelt gestanden, die Einheimischen hätten sie freundlichst begrüßt, gewunken, voller Begeisterung…

und als ihnen dort der Rabbiner entgegengekommen wäre, da habe er wirklich gewusst:

ich bin frei!

 

Drei Monate hätten sie dann in einer Schule unter Quarantäne gestanden, wären aufgepeppelt worden, sie hätten sich ja erst wieder an normales Essen gewöhnen müssen. Mit kleinen Rundreisen hätten sie das Land erkunden können.

Sofort hätten sie geheiratet, zusammen mit vier weitere das Konzentrationslager überlebenden Pärchen. Die Zeremonie in der völlig überfüllten Osloer Synagoge wäre ganz zauberhaft gewesen, die schwedische Regierung habe sich ja so gut wie um alles gekümmert

(es gab aber kein Brautkleid und die Hochzeitsnacht mussten beide aus organisatorischen Gründen getrennt verbringen). Anschließend seien sie in ein kleines Dorf gezogen, später hätten sie in Stockholm gelebt. Heinz habe wieder als Gärtner und seine Frau als Köchin gearbeitet. Die deutsche Staatsangehörigkeit wäre bestätigt worden. Aber um Cläires Eltern in Argentinien endlich per Telegramm kontaktieren zu können, habe man sehr lange sparen müssen. 1949 sei Sohn Gerardo geboren. 1950 sei die Familie dann nach Argentinien emigriert.

Sohn Peter sei dort 1956 geboren. Cläire und Heinz hätten fünf Enkelkinder: das älteste sei 22, das jüngste 12 Jahre alt. Sie hätten ein ganz einfaches Leben geführt, Heinz habe bis zuletzt als (selbständiger) Maler gearbeitet.

 

Befragt, was er gegenüber Deutschen fühle, antwortet Heinz: dort, wo man ihn hinausgeworfen hätte, dort könne und wolle er nicht mehr leben.

 

Ob die Enkelkinder sein Schicksal kennen? So, wie er es hier erzählt habe, so hätte er es noch nie erzählt. Er könne nicht darüber sprechen, es sei viel zu traurig, es sei aber wichtig, es doch einmal zu erzählen. Und deshalb wünsche er auch eine Kopie für die Enkelkinder. Es sei sehr wichtig, da die meisten Menschen sein Schicksal nicht glauben würden. Er habe auch seinen Söhnen nichts erzählt. Na ja, nur ein bisschen.

 

Er selbst habe sich ungern erinnert. Nun, er habe es zwar erzählt, aber nicht so, wie er es gewollt habe.

 

wie er es denn erzählen wollte? na ja, entgegnet Heinz, ohne zu weinen.

Man denke immer, mit dem Alter würde man stärker und abgeklärter. Aber es sei genau umgekehrt.

 

warum er glaube, überlebt zu haben? nun ja, aufgrund seiner Jugend, auch sei er es ja gewohnt gewesen, zu arbeiten. Und dann sei er ja ganz auf seine Frau Claire fixiert gewesen. Das habe ihm natürlich sehr geholfen. Bei der Befreiung habe er 45 kg gewogen. Er sei sehr gutgläubig gewesen und habe immer auf die Zukunft gebaut. Viele Menschen um ihn herum, hätten sich das Leben genommen, was er damals nie verstehen konnte, heute aber umso mehr. Das wären ja alles ältere Menschen gewesen.

Er könne sich an alles erinnern und dies gehe auch nie verloren. Die älteren Juden hätten ja nicht kämpfen können. Diese Zeit sei immer in seinem Kopf, zwar nicht jeden Tag aber jede Nacht. Albträume. Gerade heute Morgen habe seine Frau berichtet, dass er im Schlaf wieder ganz laut und deutlich gesprochen habe. Im Schlaf sei er extrem aggressiv gewesen, was ihn erschrecke, da er überhaupt nicht aggressiv sei.

 

Er habe mit Freunden und der Familie besprochen, ob er dieses Interview führen solle und jene hätten es begrüßt.

 

Er habe den Bürgerkrieg in Argentinien erlebt, aber das sei nicht vergleichbar.

 

Die Nazizeit wäre abgrundtief böse gewesen.

Man müsse sich informieren, die Familie, die Freunde müssen zusammenhalten.

 

Man müsse dem Terror rechtzeitig begegnen, indem man sich informiere und zusammenhalte.

 

Ja, er habe immer an Gott geglaubt, auch heute noch.

Aber mehr an eine Art höheres, universelles Wesen, unabhängig von den Religionen.

 

 

Die Interviewerin bedankt sich ausgesprochen herzlich und lang bei Heinz Rosenhain.

 

Dann hört man die Stimme von Heinz Ehefrau Cläire. Sie habe Fotos, über die ganze Leidenszeit hinweg, in einem alten Leder-Etui, retten können. Dann werden die Fotos eingeblendet (meist Familienfotos) und von Claire bzw. Heinz kommentiert, wobei sich Heinz bei jedem Foto ausdrücklich bei seiner Frau für die Rettung der Fotos bedankt.

 

Cläire kommt zum Schluss ins Bild, Heinz kommentiert:

"Das ist Klara, meine Frau, wir sind seit 1945 verheiratet… wir sind glücklich verheiratet… Gott sei Dank!"

 

Beide lächeln in die Kamera und geben sich einen Kuss.

 

Von den 1001 im Dezember 1941 von Hannover nach Riga Deportierten überlebten 69.

 

Heinz Rosenhain ist im November 2009, wenige Tage vor seinem 90. Geburtstag, in Buenos Aires gestorben.

 

 

Einige Worte noch zur morgigen Stolpersteinlegung:

wir treffen uns auf dem Rathausplatz um 16 Uhr. Gunter Demnig wird zunächst die beiden Steine für Leo und Hermann Fröhlich in der Amtsstraße 8, das ist vor dem Leitzenhaus, rechts, verlegen. Dann folgt der Stein für Heinz Rosenhain in der Teichtorstraße 3.

Sie sind dazu herzlich eingeladen.

 

 

Zum Schluss kommt jetzt das, was immer kommen muss: die Danksagung:

 

Herzlichen Dank an meinen Vorredner, an Herrn Bürgermeister Helmut Affelt. Danke für deine bedeutungsvolle Eröffnung!

 

Ich möchte Herrn Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Anders herzlich danken: für seine stets positive Begleitung, für sein Engagement bzgl. "Stolpersteine"…

und: Danke, dass wir wieder hier im Alten Rathaus sein können und selbstverständlich auch für die bereitgestellte Verköstigung!

 

Dank an Gunter Demnig: für sein Kunstobjekt "Stolpersteine", auch, dass Stadtoldendorf nun schon zum wiederholten Male ein Teil dieses einzigartigen Projektes sein kann.

Dank aber auch an die Mitarbeiter (Bernd Stange) des Bauhofes: für die Vorbereitungen und für die Begleitung der Steinlegung.

 

Ich möchte mich herzlich bei all jenen bedanken, die die Stolpersteinlegungen seit 2007 ermöglicht haben.

 

Vielen lieben Dank meinen Mitstreitern: Ute Siegeler und Klaus Kieckbusch!

 

apropos: Dank an die Frau, die im wahrsten Sinne die Steine ins Rollen brachte; ohne sie wären wir heute Abend nicht hier: danke, liebe Ute!

 

Ich möchte all jenen herzlich danken, die sich bezüglich Erinnerungsarbeit vor Ort, im Kreis und anderswo engagieren. Da ich manche erblicke, seien sie hier stellvertretend auch namentlich erwähnt:

 

Hans-Joachim Sach,

Detlef Creydt und Klaus Kieckbusch…

 

ich hoffe, ich habe in meiner Aufgeregtheit niemanden übersehen, dann bitte ich gleich hier um Entschuldigung…

 

nochmals lieben Dank an Eva: für deine Übersetzung, für unsere gemeinsame, stundenlange "Analyse" des Interviews.

 

auch lieben Dank an Hans-Joachim, nicht nur für die technische Unterstützung…

 

eine große Ehre und wiederum ein besonderes Privileg die Angehörigen hier zu wissen:

 

herzlichen Dank für Ihr Kommen, ihre Teilnahme:

Familie Siegeler und Familie Rosenhain…

 

eine Ergänzung: Herr Horst Zelms, der Enkel von Hermann Fröhlich, hätte gern an den Veranstaltungen zur 4. Stolpersteinlegung teilgenommen. Sein Gesundheitszustand ließ dies aber leider nicht zu.

 

Ana und Gerardo: unglaublich, dass ihr hier seid…

 

ich glaube, ich träume immer noch…

 

Danke…

 

natürlich auch für die Kopie des Interviews - DANKE!

 

last but not least: herzlichsten Dank für die Teilhabe an seinem Schicksal, danke, Heinz Rosenhain!

 

mein allerletzter Dank gilt Ihnen allen: Danke für Ihre Geduld und Ihre Aufmerksamkeit!"

 

© Jens Meier, 2014

 

 

 

 

 

Heinz Rosenhain während des Shoah-Foundation-Interviews, Buenos Aires, Mai 1997
Heinz Rosenhain während des Shoah-Foundation-Interviews, Buenos Aires, Mai 1997
Lederetui mit Fotos, die Klara (Cläire) Rosenhain über die gesamte Leidenszeit hinweg retten konnte (Foto: Privatbesitz Cläire Rosenhain)
Lederetui mit Fotos, die Klara (Cläire) Rosenhain über die gesamte Leidenszeit hinweg retten konnte (Foto: Privatbesitz Cläire Rosenhain)
Im Alten Rathaus (Foto: Wolfgang Anders)
Im Alten Rathaus (Foto: Wolfgang Anders)